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Jubiläum…
Der Kinkerhof in Ussenburg feiert mit hunderten Gästen seinen 100. Geburtstag. Was Bauer Franz dafür alles vorbereitet hatte…

 

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„Es werden wohl so 1000 Leute kommen“, hatte Franz Kinker vor der 100-Jahr-Feier seines Bio-Bergbauernhofs in Ussenburg geschätzt – und lag damit goldrichtig.
Wer noch nicht wusste, wo der Hof liegt, brauchte nur den langen Schlangen geparkter Autos nachgehen.
Geboten wurde den Gästen viel – insbesondere den Kleinsten. So konnte mit Kunstschmied Patrick Trefny jeder sein eigenes kleines Kunstwerk schmieden.
Hannes Müller schnitt mit seiner elektrischen Säge in stundenlanger Arbeit das Logo des Berghofs in Holz. In der Scheune war aus Stroh und Heu ein Spielplatz mit Rutsche eingerichtet. Der Clou waren die Ziegelsteine, mit denen die Kinder ihre erste Hauswand mit Fenster mauerten. Die Maschinen und Traktoren wurden aus den Geräteschuppen gefahren, sodass darin die Gäste unter großen Erinnerungsfotos Getränke, Steaks und Kuchen genießen konnten. Die 30 Kühe hatten am Sonntag Hausarrest, erzählt Irmi Kinker. „Weil die jedes Mal merken, wenn wir keine Zeit haben und dann abhauen.“ Im Stall gab es neben den darin freilaufenden Kühen ein Stall-Kino, in dem man mehr vom Alltag auf dem Kinkerhof erfuhr.
Neben den Katzen begeisterten die Kinder die vier Kälbchen im Laufstall. „Unsere Kindheit hier war schon besonders schön“, sagt Thomas Kinker (25), der den Hof weiterführen wird. Auch wenn die Kinder auf dem Heimweg von der Schule schon mal vergessen wurden und auch im Winter zu Fuß von der B16 den langen Weg nach Hause stapfen mussten.
„Ohne die Hilfe von Familie, Freunden und sogar weit angereisten Feriengästen hätten wir das Fest nicht auf die Beine stellen können“, resümiert Franz Kinker nach dem Fest, das ein Gottesdienst mit Altpfarrer Willi Berthold und der Gruppe „Charisma“ eröffnet hatte. Kinker träumt bereits vom nächsten Event: Ein „Sommernachtstraum“ mit Musik, Künstlern und Handwerkern und vielem mehr. Sein Urgroßvater Johann Kinker hatte vor 100 Jahren den bereits 1694 urkundlich erwähnten Bauernhof oben auf dem Hügel gekauft, von dem aus die Sicht in die Tannheimer Berge, ins Ammergebirge und über die tiefen baumbewachsenen Täler nach Roßhaupten reicht. Dessen Sohn Josef stellte die Weichen in die Moderne. Als einer der ersten Landwirte kaufte er „so einen neumodischen Traktor“.
Als 1964 Franz’ Eltern den Hof übernahmen, ging es stetig mit dem Anwesen bergauf, auch wenn die ersten Jahre nicht die rosigsten waren, wie Irmi und Franz Kinker beschreiben. Als hilfreich erwies sich die Weitsichtigkeit von Mutter Elisabeth, die Ende der 60er Jahre die ersten „Sommerfrischler“ nicht nur auf den Hof, sondern nach Roßhaupten geholt hatte. Seit 1994, als Franz das Anwesen übernahm, hat sich noch mehr getan. Er baute gemeinsam mit seiner Frau die Ferienwohnungen weiter aus – „eigentlich gibt es seit 20 Jahren kein Jahr, in dem nicht irgendetwas gebaut wurde“, sagen die beiden.
Es hat sich gelohnt, vor allem als sie den Hof 1998 auf Bio umstellten. Das Ehepaar schaffte es sogar 2016 ins Finale des „Ceres-Award“, der die besten und innovativsten Landwirte Deutschlands und Österreichs auszeichnet. Auch zeigte sich über die letzten Jahre, dass Franz Kinker ein Tausendsassa in Sachen Medien ist. Als Agrarblogger, über YouTube oder Facebook zeigt er mit viel Humor Neuerungen sowie die Liebe, die die Familie zu ihrem Anwesen und den Tieren hat.
Auch ein Buch hat er geschrieben und im Fernsehen war er sowieso, ebenso seine Kühe, die auch für Werbeaufnahmen „vermietet werden“.

Erschienen in der Allgäuer Zeitung – Füssener Blatt am 28.8.2018
Verfasser: Johanna Lang

By | 2018-09-27T09:46:44+00:00 September 12th, 2018|Allgemein, News|