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Als ich kürzlich mit meiner Frau auf einem gemütlichen Sonntagsspaziergang unterwegs war, kamen wir an einem alten, unbewohnten Bauernhof vorbei.

 

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Als ich kürzlich mit meiner Frau auf einem gemütlichen Sonntagsspaziergang unterwegs war, kamen wir an einem alten, unbewohnten Bauernhof vorbei. Der Weg führte um den abgeschiedenen Hof herum. Als ich einen Blick hinter die Scheune warf, begannen meine Augen zu glänzen. Stand da nicht einsam und verlassen eine alte Dreschmaschine? So eine, auf der wir Kinder damals spielten? Mein Herz schlug höher. Da niemand zu sehen war, näherte ich mich der altertümlichen Maschine, und begann sie zu inspizieren. Meine Kindheitserinnerungen wurden wach, und ich dachte verträumt an meine Jugendzeit zurück, als wir gemeinsam mit den Nachbarskindern auf genau derselben Maschine spielten. Die Dreschmaschine war DER angesagte Treffpunkt nach der Schule.

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Unser Abenteuerspielplatz aus meiner Jugendzeit: Eine alte Dreschmaschine

In ihr konnte man sich verstecken, herumkriechen, auskundschaften für was die einzelnen Bauteile wohl nütze waren, und man konnte vor allem Schrauben herausdrehen. Die konnte man immer gebrauchen.Vor allem für andere Bauprojekte wie Seifenkisten, Anhänger, Baumhäuser usw. Wir brauchten dann so viele Schrauben, bis am Ende die Maschine in sich zusammenkrachte.
Ärger gab es damals aber keinen, denn die Dreschmaschine brauchten unsere Eltern nicht mehr. Die Zeit des Getreideanbaus war vorbei. (Ärger gab es aber zum Beispiel, wenn wir das Benzin aus der Motorsäge des Vaters herausließen und in unser Moped schütteten. Wenn der Vater dann in den Wald wollte, und die Motorsäge nicht ansprang, dann war eine Standpauke angesagt. Diese haben wir in den meisten Fällen aber gut vertragen, denn wir hatten ja vorher unseren Spaß beim Moped fahren.)

Seifenkisten waren der Anfang

Der absolute Renner unserer Kindheit war aber der Bau unserer Seifenkisten – für die wir ja immerhin schon mal die Schrauben hatten. Die Fertigung begann mit der Suche nach einem geeigneten Grundträger. Ein alter Kinderwagen war der erste Prototyp, sozusagen das Vorserienmodell. Schnell zeigte sich aber, dass das Fahrzeug unsere kurvenreiche zwölfprozentige Gefällestrecke nicht lange aushielt. Es musste etwas besseres, stabileres her. Wir stöberten solange in Vaters Alteisenhaufen, bis wir vier Räder eines Heuwenders aufgetrieben hatten. Als dann noch ein altes Autolenkrad und ein Traktorsitz zum Vorschein kamen, konnte die Montage unseres verbesserten Renners beginnen. Papa schweißte uns aus ein paar alten Rohren einen vernünftigen Rahmen. Als alle Bauteile montiert waren, versahen wir unsern „Ferrari“ noch mit roter Farbe und nach dem Trocknen gingen wir mit unserem Renner auf die Straße. Zum Glück haben unsere Eltern nie gesehen, welche waghalsige Manöver und Rennen wir uns lieferten …

Phänomenale Bausteine

Neben dem Bau von Seifenkisten waren wir stundenlang mit Lego spielen beschäftigt. Was haben wir mit den genialen Bausteinen nicht alles für kühne Bauwerke erstellt. Die Legokiste, das war unsere Schatztruhe. Und jedes Jahr zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zu sonstigen Anlässen kamen neue Steine hinzu. Unsere Eltern wussten, dass man uns damit eine Freude bereiten konnte.

Und heute, was erleben die Kinder heutzutage?

Unzählige Knirpse sitzen in ihren Wohnzimmern vorm PC oder dem Smartphone und beschäftigen sich stundenlang mit Computerspielen, deren pädagogischer Wert meist bezweifelt werden darf. Ich denke , dass es sich manche Eltern hier bei der Kindererziehung etwas zu einfach machen. Frei nach dem Motto: “Das Kind ist beschäftigt, und wir haben unsere Ruhe“.
Bei dieser Methode bleibt die kindliche Entwicklung, die Feinmotorik, die Kreativität, die sozialen Kontakte und vieles mehr auf der Strecke.

Und falls den Kindern doch mal „die Decke auf den Kopf fällt“ und sie  ihre Wohnung verlassen, dann gehen sie auf Spielplätze mit vorgefertigten Spielgeräten – von Erwachsenen entworfen, für Kinder gebaut; das kann nicht funktionieren.

Mir ist wohl bewusst, dass unsere Kindheit auf dem Bauernhof ein Privileg war. So wie wir aufgewachsen sind, das ist in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich.

Probiert es mal mit „Urlaub auf dem Bauernhof“

Und dennoch gibt es Möglichkeiten, den Kindern ein Stückchen Natur zu bieten. Bei einem Urlaub auf dem Bauernhof zum Beispiel. Auf den meisten Bauernhöfen gibt es Platz in Hülle und Fülle – und die Gefahren einer Großstadt sind fern. Auf einem Hof gibt es Gelegenheit mit den anderen Gästekindern Räuber und Gendarm zu spielen, eine Wasserschlacht zu machen, Tiere zu versorgen und, und, und….. Viele Gastgeber haben sich als Kinderbauernhof oder Erlebnisbauern qualifiziert. Sie bieten unter anderem Spiel- und Heuscheunen an, gestalten naturnahe Spielräume oder erzählen Märchen im Heu. Bei uns auf dem Berghof Kinker sind die Märchenstunden ein besonderes Highlight. Ich freu mich jedes Mal, wenn sich die Kinderschar um mich versammelt, und mir gespannt zuhört.

 

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Märchenstunde im Heu gemeinsam mit Bauer Franz

Genau diese Erlebnisse, die sind es, die sich bei den Kindern einprägen. Ich wünsche den Kindern viele solcher Erlebnisse und hoffe, dass sie sich oft und gerne an den Urlaub auf dem Bauernhof erinnern.

Euer Bauer Franz

 

By | 2017-06-27T16:46:44+00:00 November 28th, 2016|Allgemein|