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Als die Andechser Molkerei in ihrem monatlich erscheinenden Rundbrief dazu aufrief, sich als Landwirt/in an einer Öffentlichkeitskampagne

 

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Als die Andechser Molkerei in ihrem monatlich erscheinenden Rundbrief dazu aufrief, sich als Landwirt/in an einer Öffentlichkeitskampagne zu beteiligen dachte ich erst: „Nö, keine Zeit“. Verständlich, denn im Herbst muss das letzte Gras gemäht werden, neue Weiden gezäunt, Gülle gefahren und noch vieles mehr an Vorbereitungen für den kommenden Winter erledigt werden. Da hat ein Landwirt viel zu tun.

Und ausserdem: „In der Molkerei ist ein ganzes Team von Marketing- Leuten beschäftigt, sollen das doch die machen, die kennen sich im Marketing besser aus als ich“.

Als ich eine Nacht drüber geschlafen habe, beschlich mich der Gedanke: „ Klug wäre es schon, wenn statt einer Marketing- Dame ein Landwirt oder eine Bäuerin fachkundig Auskunft gibt. Nichts ist authentischer, als wenn der Erzeuger hinter dem Produkt steht, an dessen Entstehung er maßgeblich beteiligt war.

Meine Frau, die Irmi, hat sich beim Frühstück über den plötzlichen Sinneswandel gewundert, war aber nicht abgeneigt, mich nach München zu begleiten. Nach einer Schulung bei der Andechser Molkerei über die richtige Präsentation der Produkte waren wir gerüstet für den Auftritt im Bio-Laden. Ein Problem war allerdings, dass wir abends niemand hatten, der uns die Kühe melkte. Glücklicherweise erklärte sich Verena, mich zu begleiten.

Andechser Bio Markt.jpg

Franz und Verena  auf Marketing-Tour

So reisten wir zwei, Verena und ich, in fescher Tracht nach München. Vom Marktleiter des Vollcorner wurden wir freundlich begrüßt, und wir machten uns daran, unseren Stand aufzubauen. Nachdem die Probierbecher gefüllt, und ordentlich aufgereiht waren, warteten wir zwei auf die ersten Kunden.

 

Vormittags war der Andrang allerdings recht bescheiden. Die meisten Münchner waren anscheinend bei der Arbeit, nur einzelne Kunden schlenderten durch die Regale.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir zwei in dem Laden eher störten. Wir wurden gar nicht wahrgenommen. Die Kunden füllten zielgerichtet ihre Einkaufswägen und umrundeten uns elegant mit ihren Fahrzeugen. So konnte das nicht weitergehen. Wir sind doch nicht umsonst hierhergefahren!

Verena, wir müssen eine Offensive starten..

Nach einer kurzen Kaffeepause änderten wir die Strategie. Wir rückten unseren Stand so zurecht, dass die Kunden an uns vorbei drängeln mussten. Außerdem sprachen wir sie direkt an: „ Möchten Sie unseren leckeren Trinkjogurt probieren?“ Diese Vorgehensweise zeigte spärlichen Erfolg. Einzelne Damen ließen sich dazu hinreißen, ein Becherchen zu greifen, auszuschlürfen, und im Anschluß daran im Kühlregal das entsprechende Produkt sogar zu kaufen. Unsere Stimmung erhellte sich zusehends.

Was es in der Großstadt alles für Leute gibt….

Zwischen den Muttis mit Kinderwagen tauchten plötzlich die „Verkabelten“ auf. Was, ihr kennt die „Verkabelten“ nicht? Das sind die modernen jungen Damen und Herren, die sich zwei Lautsprecher in die Ohren stecken, die an Kabeln mit dem Handy verbunden sind. Die Herren hatten es ganz besonders wichtig. Ich vermute, sie wurden von der Partnerin zu Hause ferngesteuert, denn sie huschten ständig am Regal hin und her. Nach Rücksprache mit Daheim landeten dann einzelne Produkte in dem Einkaufswagen. Dann waren da noch die „Business-Menschen“. Das sind die, die ganz wichtige Telefonate am Handy führten, vermutlich mit dem Konzernchef. Geistesabwesend griffen sie am Vorbeigehen ins Regal. Diese schwer beschäftigten Kunden anzusprechen – keine Chance.

Das dritte Klientel waren dann die „Lactose-Intoleranten“. Die haben sofort abgewinkt und beschwichtigend erklärt:“ Ich darf so was nicht trinken, ich bin Lactose intolerant“.

Ach ja, dann waren da noch die Grippekranken. Das sind die, die das Taschentuch zücken und murmelnd erklären, dass sie an Grippe litten und keinen Geschmack hätten.(Komischerweise zückten sie immer dann ihr Papiertaschentuch und schnäuzten sich, als sie an unserem Stand waren…)

Und da war dann noch die, die meinte: Milch wäre ungesund

Die Krönung war dann die junge Mutter, die ein rotzendes und hustendes Kind im Wagen vor sich herschob. Als sie mir erklärte, dass Milchprodukte ungesund sind, dachte ich mir: „Wenn das, was der Knirps zu sich nimmt, so gesund ist, dann müsste er mich doch rotbackig und fröhlich aus dem Kinderwagen anlachen, und nicht hüstelnd und nasetriefend im Wagen sitzen.

Wäre nicht zwischendurch der leutselige Marktleiter aufgetaucht, der uns ein Sandwich anbot, dann hätte mich der Frust gepackt. Das konnte doch nicht sein, dass so viele Menschen keine Milchprodukte vertragen. Wer soll die denn dann essen?

Es gibt noch welche vom „alten Schlag“

Man darf die Hoffnung aber nie aufgeben. Denn es gibt sie noch, die Kunden vom „alten Schlag“. Das hat nicht unbedingt was mit dem Alter zu tun. Auffallend ist jedoch, dass gerade die älteren Herrschaften noch Zeit und Muße hatten, uns anzusprechen: „Sagt mal, wo kommt ihr denn her? Ihr seid ja richtig fesch!“ So kam man ins Gespräch und konnte die eine oder andere Frage der Kunden beantworten, was ja der eigentliche Sinn der Aktion war.

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Ein Kunde probiert unsere leckeren Drinks

Als es dann Zeit für die Heimreise war, packten wir unser Köfferchen mit den Probier- Utensilien wieder zusammen, und fuhren mit dem Zug nach Hause. Gedankenverloren aus dem Fenster blickend dachte ich mir: „Ach, wie schön haben wir es doch zu Hause auf unserem Bauernhof“. Diese Ruhe. Umgeben von Menschen und Tieren, die noch richtig ticken. Ein Paradies auf Erden…..

 Nehmt euch wieder mehr Zeit für´s Einkaufen und für´s Geniessen….

Ich hoffe, ihr konntet ein wenig zwischen den Zeilen herauslesen, was ich mit meinen Gedanken bezwecken möchte: „ Lasst den Einkauf, das Zubereiten der Speisen und das anschließende Genießen der Gerichte wieder zu einem sinnerfüllten Erlebnis werden.“

Gerade in unserer hektischen Zeit sollte man sich wieder auf diese Werte rückbesinnen.

By | 2017-10-12T08:13:23+00:00 Oktober 9th, 2016|Allgemein|