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Wenn ich meine Kühe melke, da purzeln mir allerhand Gedanken durch den Kopf.

 

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Wenn ich meine Kühe melke, da purzeln mir allerhand Gedanken durch den Kopf. Obwohl ich mich auf die Arbeit konzentriere, sind mir beim Melken u.a. schon die besten Blogbeiträge, Marketing-Ideen und Inhalte für unsere Webseite eingefallen.

Derzeit beschäftigt mich das Schicksal meiner Berufskollegen. Ich könnte mich da ganz raushalten, denn ich selber kann mich nicht beschweren. Meine Frau und ich trafen  richtige betriebliche Entscheidungen, und setzten frühzeitig auf Bio und Tourismus. Beides sind in unserer Region, dem Allgäu, sehr gefragte Geschäftsbereiche. Urlaub auf dem Bauernhof liegt voll im Trend, gerade bei Familien. Aber auch jung gebliebene Senioren, Singles, Manager, genießen die Ruhe und den Komfort, den die meisten Betriebe mittlerweile bieten.

Raushalten will ich mich nicht

Die finanzielle Not meiner Kollegen lässt mich nicht kalt. Oft denke ich darüber nach, warum das System krankt. Warum greift die Politik nicht ein? Was muss getan werden, um schnellstmöglich eine Kehrtwendung herbeizuführen? Eines ist klar, der Weltmarkt ist da, mit all seiner Härte – aber auch mit seinen Chancen. Nahrungs- und Futtermittel aus allen Kontinenten werden über die Meere gefahren oder geflogen. Ob es sinnvoll ist oder nicht, das wage ich manchmal zu bezweifeln. Wenn der Preis passt, dann steht halt die Neuseeländische Milch im Deutschen Kühlregal. Hauptsache die Marge der Discounter erfüllt die Vorgaben der Konzerne.

Es geht aber auch anders

Zum Glück gibt es Verbraucher, denen nicht egal ist, woher die Produkte kommen. Sie möchten Nahrungsmittel aus der Region kaufen. Sie kennen vielleicht sogar den Bauern aus dem Nachbarort und wissen, dass dieser fleißig und ordentlich wirtschaftet, sorgsam mit seinen Tieren umgeht, und viel investiert hat in letzter Zeit. Er hat die heimische Wirtschaft unterstützt, und sitzt jetzt auf einem Schuldenberg, den er abbezahlen muss. Bei einem Milchpreis von 20 Cent je Liter geht das aber nicht. Der Bauer lebt von der Substanz und verkauft vielleicht sogar Betriebsflächen, um nicht Konkurs zu gehen.

Viele Verbraucher würden uns Landwirte unter die Arme greifen

Wir wissen, um den Weltmarkt kommen wir nicht herum. Wir wissen aber auch, dass ein wesentlicher Teil der Gesellschaft bereit ist, für Lebensmittel, die auf bäuerlichen Familienbetrieben erzeugt werden, mehr zu bezahlen. Dies zeigt eine Studie des Lehrstuhls „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“ der Uni Göttingen. Demnach bemängelt die Mehrheit der befragten Personen dass vor allem bei Milchprodukten ein deutliches Missverhältnis herrscht zwischen dem Ladenpreis und dem, was der Landwirt erhält. Diese Situation muss uns doch zu denken geben!

Kunden leisten einen Solidarbeitrag am Milchregal

Jetzt zu meiner Idee aus dem Melkstand: Warum montieren wir am Kühlregal nicht ein Bezahlsystem, bei dem der Kunde freiwillig einen Betrag überweisen kann, der auf ein Sammelkonto gebucht wird, und direkt an den Milchlieferanten ausbezahlt wird? Auf diese Weise kann der Kunde seine Wertschätzung ausdrücken. Sein Solidarbeitrag kommt genau da an, wo er gebraucht wird – beim Bauern. Ohne dass jemand dazwischen jemand sein Portemonnaie aufhält.

In Schweden wurde so ein System nach Angaben der Fachzeitschrift „Elite“ schon eingeführt. Dort können die Verbraucher einen freiwilligen Aufschlag von 10 Cent für die Bauern leisten. Sage und schreibe bezahlen zwei Drittel diesen Zuschlag. Es dürfte doch in der heutigen Zeit kein Problem sein, so ein System technisch umzusetzen.

Ich bin der Meinung, dass neben all den flankierenden Maßnahmen, die dazu dienen uns Bauern aus der Not zu retten, dies eine unkomplizierte und vertrauenswürdige Aktion wäre.

Wenn der Kunde die Gewissheit hat, dass sein Beitrag beim Landwirt landet, dann ist er auch bereit, ihn über den Ladenpreis hinaus zu unterstützen. Dessen bin ich mir sicher.

Also, Bauern, nehmen wir das in die Hand, und zwar selber. Nicht die Herren von Aldi & Co. Und wenn keiner weiß wie, dann fahren wir halt nach Schweden. Ein Betriebsausflug kann nie schaden.

Reisen bildet, und erweitert den Horizont.

Euer Kollege, der Bauer Franz aus dem Allgäu

 

By | 2017-06-27T14:19:22+00:00 Mai 28th, 2016|Allgemein|