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Ich bin´s, das Meggele. Wahrscheinlich kennt ihr mich noch nicht.

 

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Ich bin´s, das Meggele. Wahrscheinlich kennt ihr mich noch nicht. Ich verrat´s euch schnell, sonst müsst ihr bis am Ende raten, wer ich bin. Ein Meggele ist allgäuerisch und damit ist ein Kälbchen gemeint. Männlich oder weiblich, das ist egal. Wir heißen hier alle „Meggele“.

Mein Zuhause ist ein Iglu

Ich bin jetzt schon eine Woche alt und quietschfidel. Mir geht es echt super gut. Ich habe ein eigenes Zuhause, es ist ein Iglu. Ja, ihr habt richtig gelesen, ein Iglu. So nennen die Milchbauern hier im Allgäu diese Boxe. Die hat ein rundes Dach  und ist kuschlig mit Stroh eingestreut. Und da es wie ein Iglu aussieht, heißt mein Zuhause auch so – auch wenn ich kein Eskimo bin. Mein Iglu ist aus Plastik und an meine Größe angepasst. Es bietet mir Schutz vor Wind und Wetter. Vorne ist ein Gitter angebracht, da hängt mir die   „ Bäuerin Irmi“, dreimal am Tag einen Nuckeleimer mit frischer Milch von meiner Mama hin. Die ersten Tage ist die Irmi sogar zu mir ins Iglu gekrochen und hat mir gezeigt, wie man am Nuckel trinkt. Ich hab´s ja nicht gewusst, wie man das so macht. Als ich dann gemerkt habe, dass die Milch aus dem grünen Nuckeleimer kommt, und nicht aus dem Euter – wie ich es irgendwie eher vermutet hätte, da bin ich immer gleich aufgesprungen, wenn ich die Irmi gesehen habe. Irmi lächelt immer so und streichelt mich am Kopf. Vermutlich ist sie ganz froh darüber, dass sie sich nicht mehr zu mir in das Iglu zwängen muss. War doch ein bisserl eng für uns zwei.

Eigentlich fing ja alles mit meiner Geburt an. Ich hörte den „Bauern Franz“, sagen, dass die nicht ganz so prickelnd war. Eigentlich besch…..n, wenn man es genau nimmt. Ich kam nachts auf die Welt. War mir aber egal. Bei meiner Mama drinnen war es ja auch immer dunkel. Ich konnte nicht ahnen, ob es draußen hell oder dunkel ist. Nun ja, meine Mama bekam Wehen, und ich merkte, dass etwas passierte. Bis dahin war alles unspektakulär. Manchmal wurde ich im Bauch meiner Mama hin und her geschaukelt, wenn sie über die Weide lief oder sich im Stall bewegte. Das war aber auch alles. Jetzt auf einmal spürte ich von hinten diesen Druck und wurde vorwärts gepresst. Plötzlich sah ich etwas Helles und musste mit meinen Augen zwinkern.

Ich war auf der Welt.

Die Geburt war leider nicht so angenehm, wie ihr das vielleicht aus dem Fernsehen  kennt. Ich fiel buchstäblich in die Sch…e. Meine Kumpels, die Kälbchen, die im Sommer geboren werden, haben es da besser. Die kommen meist auf der Weide auf die Welt, fallen ins weiche Gras und sind picobello sauber. Ich wurde aber im Winter geboren und hab´s deshalb nicht ganz so optimal getroffen. Das Gute an der Sache war aber, dass meine Mama sofort reagiert hat. Gewöhnlich brüllen die Mütter, wenn ihre „Kinder“ geboren sind. Das ist ein natürlicher Instinkt. Meine Mama hat das auch gemacht, und das hat der Bauer Franz gehört.

Er hörte das deswegen, weil er im Stall so ein neuartiges Ding hat. Die Menschen nennen es Kamera mit Tonübertragung. Scheint eine komplizierte Technik zu sein, weil immer wieder mal jemand danach schaut, und etwas daran rum stellt. Funktioniert aber trotzdem ganz gut, sonst hätte Franz ja meine Mama nicht brüllen hören.

Jedenfalls kam der Bauer im Stall-Overall und mit Gummistiefeln anmarschiert. Als er mich sah, zog er mich an den Beinen in die Liegeboxe, wo meine Mama lag. Dort rieb er mich mit frischem Stroh ab. Meine Mama war anscheinend auch überglücklich mich zu sehen, und begann sofort mich abzulecken. In dieser Zeit bereitete der Franz vermutlich das Iglu vor. Auf jeden Fall war es bei meinem Umzug mit frischem Stroh eingerichtet. Irgendwann später kam dann der Franz mit einer Art Sackkarre bei mir an. Er lud mich rein, und wir zwei fuhren zum Iglu. Ihr denkt jetzt vielleicht, das ist ja schlimm, von der Mama getrennt zu werden. Fand ich aber gar nicht, für mich war es ganz ok so. Im Stall bei den Kühen, da habe ich mich nicht wohl gefühlt. Ich war da nur im Weg. Außerdem wurde mir kalt. Der Franz hat mir im Iglu mit einem blauen Spray noch meinen Bauchnabel desinfiziert, und dann zog er mir eine Jacke über – er nannte sie Kälberdecke. Die war weich und ganz warm. Der Franz hat sich ganz liebevoll um mich gekümmert, fast so wie meine Mama in der Liegeboxe. Meine Mama hat er sogar von Hand gemolken, und mir dann die frische Milch gebracht. Oh war die lecker….

Ja, so war meine Geburt. Richtig aufregend und spannend für mich. Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt. Auf dem Bauernhof von Franz und Irmi, da sind auch viele andere Menschen. Irmi nennt sie Feriengäste. Vor allem deren Kinder kommen jeden Tag bei mir vorbei und wollen mich streicheln. Den größeren Kindern hat die Irmi gezeigt, wie man die Milch der Kühe, die Kälbermilch, aufwärmt, und die Kinder  dürfen dann den Eimer mit der Milch zu mir bringen. Die sind dann fast so glücklich wie ich, wenn ich meine Mich bekomme und den Eimer voller Begeisterung austrinke. Ich versteh das zwar nicht ganz, aber ist mir auch egal. Hauptsache mein Bauch ist voll, und ich habe keinen Kohldampf mehr.

Mit den Kindern eine Runde drehen

Gestern kam der Bauer Franz mit einem Halfter zu mir ins Iglu. Ich habe verdutzt geschaut, weil da noch eine ganze Schar Kinder um meine Hütte stand. Ich hab mich schon gewundert, was das soll – bin doch kein Fohlen, das man am Halfter führt. Als mir der Franz das Halfter dann anpasste, und die Türe am Iglu öffnete, da wurde mir klar, dass ich mit den Kindern einen Hofrundgang machen durfte. Oh, was hatte ich für einen Spaß. Die Kinder führten mich am langen Seil auf die angrenzende Wiese – yippie! Dort hüpfte ich ein paar Runden und war dann ganz außer Puste. So ein Fitnessprogramm war ich nicht gewohnt. Aber schön war´s.

Ich hab das Gefühl, dass ich es ganz gut getroffen habe, bei den Kinkers. Im Sommer darf ich dann mit den anderen Meggeles raus auf die Weide. Darauf freu ich mich jetzt schon.

Vielleicht sehen wir uns dort ja mal, dann kann ich euch mein Zuhause zeigen. Wird bestimmt cool.

Euer Meggele

 

By | 2017-06-27T16:52:02+00:00 Februar 2nd, 2017|Allgemein|