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Die Zeit zwischen den Jahren sollte man als Landwirt nicht nur dazu verwenden,

 

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Die Zeit zwischen den Jahren sollte man als Landwirt nicht nur dazu verwenden, sich von den Strapazen des Jahres zu erholen, sondern auch dazu, mal inne zu halten und über das nachzudenken, wie es persönlich und betrieblich weiter gehen soll.

Mal zu überlegen: bin ich erfolgreich in meinem Beruf, ist der Hof zukunftsfähig, stehen große Investitionen an, habe ich genügend Freizeit, ist jemand da, der die Hofnachfolge mit Begeisterung antritt?

All das sind Fragen, denen man sich von Zeit zu Zeit stellen muß. Ich bin mir sicher, dass dies viele meiner Kollegen nicht tun, oder nur zaghaft. Sie rackern von früh bis spät und machen sich keine Gedanken, wo ihr Betrieb in fünf Jahren stehen soll. Ausser wenn im Ort oder sogar weit ausserhalb eine Fläche zur Pacht ansteht, da werden sie hellwach.

 Wachsen oder weichen

Jahrzehntelang hat es funktioniert, dieses Prinzip. Große Betriebe haben die Kleinen geschluckt. Die Großbetriebe profitierten von der Effizienzsteigerung. Die Stückkosten sind gesunken – allerdings bei steigenden Maschinen- und Personalkosten. Wer clever war, der nahm die Hilfe von Lohnunternehmern an, und investierte nicht grenzenlos in einen eigenen Maschinenpark.

Jetzt funktioniert dieses Prinzip in vielen Bereichen der Landwirtschaft wie z.B. bei Milch, Schweine- und Fleischproduktion nicht mehr. Das Prinzip hat sich geändert auf nur noch „weichen“. Wachsen bringt nichts mehr, denn wer pro Liter erzeugter Milch draufzahlt, dem hilft es auch nicht, wenn er mehr davon erzeugt. Er zahlt dann halt noch mehr drauf. So einfach ist das.

 Beständig ist nur der Wandel

Noch nie in der Geschichte war die Zeit so schnelllebig. Eine Geschäftsidee, die heute boomt, die kann morgen schon ein Ladenhüter sein, wenn die Firma nicht am Puls der Zeit bleibt. Ich erinnere mich noch gut, als sich viele Firmen durchrationalisierten. Alle Teilbereiche, die nicht in das große Konzept passten, die wurden verkauft. Man fokussierte sich auf EIN Geschäftsfeld. Heutzutage stellen sich viele Betriebe wieder breiter auf. Wenn ein Bereich mal nicht so läuft, dann wirft meist eine andere Sparte den gewünschten Ertrag ab. Der Betrieb kann flexibler reagieren, und eine Durststrecke aushalten. Genauso wie es mein Anlageberater von der Bank immer predigt: „Setz nicht alles auf ein Pferd“, Wir Landwirte müssen auch überlegen, ob wir uns alternative Standbeine zulegen. Allerdings schränke ich ein: Die Geschäftsideen müssen überschaubar bleiben. Denn über viele Beine, da kann man auch stolpern…..

 Auf uns warten neue Herausforderungen wie das Tierwohl, die neue Düngeverordnung, der aufgeblähte Bürokratismus und die Öffentlichkeitsarbeit.

Weil wir gerade beim Thema Wohlbefinden sind: Ich bin der Meinung, es geht in der Produktkette allen wohl, ausser den Erzeugern. Den Weiter- Verarbeitern, Händlern und Ladenketten ist es piep egal, wie teuer sie ihre Produkte einkaufen. Sie geben ihre Marge weiter, und können gut davon leben. Sie stärken sogar ihre Marktmacht durch Mega- Fusionen, um künftig noch mehr Macht auszuüben. Die Verlierer in diesem Spiel, das sind die Erzeuger. Ich bin gespannt, wie lange wir uns das noch gefallen lassen.

Meine Wünsche für 2017

Ich wünsche mir von der kommenden Regierung, dass sie die Belange und Nöte der Bauern erkennt, versteht und entsprechend handelt. Vom bisherigen Bundesminister für Landwirtschaft bin ich maßlos enttäuscht. Er überlässt die Bauern dem Schicksal des freien Marktes, und opfert dafür die Zukunft des ländlichen Raumes. Es muss endlich mal in die Köpfe der Regierenden hinein, dass die heimische, regionale Landwirtschaft auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Nicht nur der Export von Wirtschaftsgütern wie Autos und Maschinen. Wenn das Höfesterben so weitergeht, dann machen wir uns bald zum Nahrungsmittel Importeur ersten Ranges. Ferner wünsche ich mir, dass wir wieder zu überschaubaren Betriebsstrukturen zurückkehren. Eine Massentierhaltung findet in der Bevölkerung keine Akzeptanz. Der Umbau von Ställen kann aber nur finanziert werden, wenn Geld im Portemonnaie der Bauern ist.

Ein weiterer Wunsch ist, dass wir faires Miteinander pflegen. Deutlich wird das zum Beispiel in der Erntezeit. Da fahren die Bauern einfach mal bis in die Nacht hinein, oder die Nacht hindurch. Sie machen das nicht mit Absicht, um jemanden zu ärgern. Sie nutzen das günstige Wetter aus. Das ist ganz legitim.
Ein respektvoller Umgang ist auch notwendig mit Personen, die sich pflanzlich ernähren. Wenn die Zahl derer steigt, dann eröffnet das wiederum Absatzmöglichkeiten für uns Bauern….. Denkt mal drüber nach, liebe Kollegen.

Am Schluß, da wünsche ich mir, dass wieder Schwung auf´s Land kommt. Dass die Ellenbogen-Mentalität verschwindet, und die „Jungen“ die Höfe ihrer Eltern übernehmen. Dass wir einen gerechten Lohn für unsere Arbeit erhalten, um frohen Mutes in die Zukunft zu blicken.

 

By | 2017-06-27T16:49:17+00:00 Dezember 28th, 2016|Allgemein|