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Als ich die Anzeige im Allgäuer Bauernblatt am Frühstückstisch sah, verschlug es mir den Appetit!

 

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Quelle: Allgäuer Bauernblatt 5/2016

Als ich die Anzeige im Allgäuer Bauernblatt am Frühstückstisch sah, verschlug es mir den Appetit! Erzürnt rief ich zu meiner Frau: „ Schau mal, wie weit wir Bauern schon gekommen sind. Jetzt strecken scheinbar geldgierige Unternehmen ihre Fänge auch bei uns im Allgäu aus. Hier, wo doch alles noch in Ordnung scheint, wo die Uhren anders ticken“. Immer noch aufgeregt, fragte ich sie weiter: „Kennst du den Spruch „Hat der Bauer Geld, hat´s die ganze Welt? „. Ja, antwortete sie in ihrer ruhigen Art und ergänzt: „Aber die meisten Bauern haben jetzt kein Geld mehr. Die Reserven gehen drauf, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.“

 Die Rettung naht

Da erscheint doch so eine Anzeige genau im richtigen Moment, denke ich mir. Das ist doch DIE Lösung – oder? Der Bauer, der von der Hausbank keinen Kredit mehr bekommt, wendet sich an Investoren oder an eine kapitalkräftige Firma. Keiner bekommt es mit, die Berufskollegen merken nichts. Nach Außen ist alles so, wie immer, die scheinbar heile Welt. Der Bauer, der die Flächen benötigt, um sein Vieh darauf weiden zu lassen, Futter zu ernten, oder Ackerbau zu betreiben,  muss diese dann zurück pachten. Allerdings zu einem Preis, der ihm die Tränen in die Augen treibt!

So ein Investor kauft die Grundstücke ja nicht zum Schafe oder Kühe hüten, sondern als Geldanlage. Denn der Erwerb der Flächen muss sich für ihn selbstverständlich rentieren. Einem Investor ist die finanzielle Existenz eines Bauern meist ziemlich egal. Für ihn zählen nur eine schnelle Rendite, und die bestmögliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

Somit ist das ganze Geschäft für den Bauern keine Rettung. Nur ein Strohfeuer – denn von dem vermeintlich lukrativen Grundstücksverkauf muss er erhebliche Steuern ans Finanzamt zahlen. Und wenn die Erzeugerpreise nicht bald steigen, und die teure Zurückpachtung des Grundstücks dazu kommt, ist der Geldsegen schnell wieder verbraucht.

 Die Situation im Allgäu ist kein Einzelfall

Nicht nur hierzulande ist „Land Grabbing“ ein ernstzunehmendes Problem. Land Grabbing, so heißt der neudeutsche Ausdruck für „Boden unter den Nagel reißen“. Kürzlich erschienen in der  „Süddeutschen Zeitung“ zwei  Berichte zu diesem Thema. Brennpunkte dieser Entwicklung sind laut Recherchen die Afrikanischen Länder, sowie Osteuropa. Nach Schätzungen werden in Rumänien inzwischen knapp 40% des Ackerlandes von ausländischen Investoren bewirtschaftet. Was den wenigsten Menschen bewusst ist: Die Gier nach Land hat fatale Folgen: In den Dörfern steigt die Arbeitslosigkeit und damit verbunden die Armut. Die agroindustrielle Landbewirtschaftung nimmt weder Rücksicht auf die Umwelt, noch auf die Wasservorräte. Entscheidend sind der maximale Ertrag auf den Äckern und die höchstmögliche Förderung aus der EU. (Quelle: Süddeutsche Zeitung

 Auch Wälder sind beliebte Spekulationsobjekte

Der Wald wurde früher die „Sparkasse“ des Bauernhofes genannt. Die Bauern bewirtschaften ihre Forstflächen schon seit über 300 Jahren nachhaltig. Das heißt: es wird üblicherweise nur so viel Holz entnommen, wie auf der Fläche auch nachwächst. Standen Krisenzeiten an, dann konnte der Waldbesitzer eine größere Menge Holz einschlagen, und die Not überwinden.

In den meisten Fällen hilft diese Maßnahme heutzutage nicht mehr. Der Erlös aus dem Holzverkauf ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 Die Kirche im Dorf lassen….

Wenn die finanzielle Notlage auf dem landwirtschaftlichen Betrieb so dramatisch ist, dass Flächen verkauft werden müssen, dann liebe Kollegen, denkt bitte doch erst an eure Feldnachbarn oder die Landwirte im eigenen Dorf. Sinnvoller ist es immer, erst in Ruhe zu überlegen, welcher Nachbar seine Flächen durch den Kauf sinnvoll arrondieren kann. Das ist nachhaltig – für alle im Dorf und der Gemeinde. Wer nämlich nur ans schnelle Geld denkt, der verärgert seine Kollegen.

Wir Bauern sind nachtragend – das habe ich schon oft erlebt.

Für mich steht fest: „ Land gehört in Bauernhand!“  Da stimmt mir meine Frau verständnisvoll zu. Land- und forstwirtschaftliche Grundstücke, das sind und bleiben die wichtigsten Existenzgrundlagen der Bauern. Und damit das so bleibt, appelliere ich an diverse Investoren, die von Landbewirtschaftung keine Ahnung haben, ihr Geld doch lieber woanders zu investieren.

Euer Bauer Franz aus dem Allgäu

 

By | 2017-06-27T14:07:41+00:00 März 12th, 2016|Allgemein|